Tablets sind längst zu vollwertigen Familiengeräten geworden, die auf dem Sofa, in der Küche oder im Homeoffice zum Einsatz kommen. Doch während Smartphones meist persönliche Begleiter bleiben, teilen sich bei Tablets oft mehrere Personen ein einziges Gerät. Das führt schnell zu Chaos: durcheinander gewürfelte Browser-Verläufe, fremde Spielstände in den eigenen Gaming-Apps oder Empfehlungen bei YouTube, die überhaupt nicht zu den eigenen Interessen passen. Android bietet hier eine elegante Lösung, die erstaunlich wenige Nutzer kennen – obwohl sie seit Jahren im Betriebssystem integriert ist.
Warum der Multi-User-Modus echte Privatsphäre schafft
Der Multi-User-Modus verwandelt euer Android-Tablet in mehrere virtuelle Geräte. Jedes Familienmitglied erhält seinen eigenen, komplett getrennten Bereich mit individuellen Apps, persönlichen Einstellungen und privaten Daten. Das bedeutet konkret: Mama kann ihre Nachrichten-Apps und E-Mails nutzen, ohne dass die Kinder versehentlich wichtige Mails löschen. Papa hat seine Fitness-Apps und Kalender im Griff. Die Teenager genießen ihre eigene Musik-Bibliothek und Social-Media-Accounts, während die Kleinen in einer kindersicheren Umgebung ihre Lern-Apps verwenden.
Anders als bei simplen App-Sperren oder Kindersicherungen geht es hier um echte Nutzerkonten, vergleichbar mit verschiedenen Benutzerprofilen auf einem Windows-PC oder Mac. Jeder Nutzer meldet sich mit seinem eigenen Google-Konto an und erhält dadurch Zugriff auf seine Cloud-Daten, Kontakte und synchronisierten Inhalte. Die Einrichtung ist überraschend unkompliziert, auch wenn sich die genauen Menübezeichnungen je nach Android-Version und Hersteller leicht unterscheiden können.
So richtet ihr mehrere Benutzerkonten ein
Bei den meisten Tablets findet ihr die entsprechende Option in den Einstellungen unter System – manchmal auch unter „Allgemeine Verwaltung“ oder direkt unter „Nutzer“. Dort sucht ihr nach Mehrere Nutzer oder Nutzer und Konten und tippt auf Nutzer hinzufügen. Android fragt euch jetzt, ob ihr einen vollständigen Nutzer oder ein eingeschränktes Profil erstellen möchtet. Für Familienmitglieder, die das Tablet selbstständig nutzen sollen, wählt ihr „Nutzer“. Für Kinder, bei denen ihr bestimmte Funktionen einschränken möchtet, bietet sich das eingeschränkte Profil an.
Nach dem Anlegen eines neuen Nutzers wechselt das Tablet automatisch in dieses frische Konto. Das fühlt sich an wie der erste Start eines brandneuen Geräts: Ihr durchlauft einen Einrichtungsassistenten, verbindet das Konto mit einem Google-Account und könnt anschließend Apps installieren und Einstellungen vornehmen. Keine Sorge – die Daten des Hauptnutzers bleiben dabei vollständig unangetastet und getrennt.
Ein cleveres Detail: Apps, die bereits auf dem Tablet installiert sind, müssen nicht komplett neu heruntergeladen werden. Android erstellt lediglich separate Datenordner für jeden Nutzer. Das spart Speicherplatz, garantiert aber trotzdem die komplette Trennung persönlicher Informationen. Der Wechsel zwischen verschiedenen Nutzern funktioniert denkbar einfach und dauert nur wenige Sekunden – einfach die Schnelleinstellungen vom oberen Bildschirmrand herunterziehen, auf das Benutzer-Symbol tippen und den gewünschten Nutzer auswählen.
Eingeschränkte Profile für Kinder – maximale Kontrolle für Eltern
Neben vollwertigen Benutzerkonten bietet Android auch eingeschränkte Profile an. Diese Funktion ist perfekt für Kinder, denen ihr nicht den kompletten Zugang zum Tablet gewähren möchtet. Als Hauptnutzer entscheidet ihr dabei exakt, welche Apps im eingeschränkten Profil verfügbar sind und welche Funktionen freigeschaltet werden. Beim Erstellen eines eingeschränkten Profils präsentiert euch Android eine Liste aller installierten Apps. Ihr setzt einfach Häkchen bei den Anwendungen, die das Kind nutzen darf – fertig. YouTube, Browser oder App-Stores bleiben auf Wunsch komplett gesperrt. Besonders praktisch: Eingeschränkte Profile können keine neuen Apps installieren oder Systemeinstellungen verändern.

Viele verwechseln die eingeschränkten Profile mit Googles Family Link. Der entscheidende Unterschied: Family Link funktioniert auf Android-Geräten ab Version 7.0 und bietet detaillierte Kontrollmöglichkeiten über das Smartphone der Eltern. Mit Family Link können Eltern die Bildschirmzeit überwachen und Nutzungsdauern einschränken, Schlafenszeiten festlegen, die Standorte der Geräte ihrer Kinder einsehen und Aktivitätsberichte zur App-Nutzung erhalten. Zudem lassen sich Inhaltsfilter festlegen, Apps blockieren und ein Schulmodus aktivieren.
Eingeschränkte Profile existieren dagegen nur lokal auf dem Tablet und bieten einfachere, aber dafür sofort einsatzbereite Kontrollmöglichkeiten ohne zusätzliche App-Installation. Für die meisten Familien reicht diese lokale Lösung vollkommen aus, während Family Link sich eher für Eltern eignet, die auch unterwegs die volle Kontrolle behalten möchten.
Praktische Alltagsszenarien für den Multi-User-Modus
Die Vorteile zeigen sich besonders im Alltag. Wenn euer Teenager das Tablet für Schulprojekte und Instagram nutzt, während ihr dasselbe Gerät für Online-Banking und berufliche E-Mails verwendet, wäre das ohne getrennte Nutzerkonten ein massives Sicherheitsrisiko. Mit separaten Konten bleibt jeder in seiner eigenen, geschützten Umgebung. Auch bei Gästen erweist sich die Funktion als äußerst nützlich. Erstellt einfach einen Gast-Account, den Besucher temporär nutzen können. Nach der Nutzung löscht ihr das Profil mit wenigen Fingertipps – samt aller Daten, die der Gast während der Sitzung angelegt hat.
Ein wichtiger Aspekt, den viele übersehen: Jeder Nutzer belegt eigenen Speicherplatz. Während die App-Dateien selbst nur einmal gespeichert werden, legt jedes Profil eigene Daten an. Fotos, Downloads, App-Caches und Offline-Inhalte addieren sich schnell. Bei einem Tablet mit 64 GB Speicher solltet ihr daher nicht zu viele vollwertige Nutzerkonten anlegen – zwei bis drei Profile sind meist das praktikable Maximum. Überprüft regelmäßig in den Einstellungen unter „Speicher“, wie viel Platz die einzelnen Nutzer belegen.
Sicherheitsaspekte nicht unterschätzen
Der Multi-User-Modus erhöht die Sicherheit deutlich. Jeder Nutzer kann seine eigene Bildschirmsperre einrichten – mit PIN, Muster, Passwort oder biometrischen Daten. Das verhindert, dass Familienmitglieder gegenseitig in ihren Konten herumstöbern. Der Hauptnutzer behält dabei administrative Rechte und kann bei Bedarf Nutzer löschen oder deren Einstellungen zurücksetzen.
Wichtig zu wissen: Der Hauptnutzer hat theoretisch die Möglichkeit, über den Recovery-Modus auf alle Daten zuzugreifen. Echte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zwischen den Profilen existiert nicht. Für normale familiäre Privatsphäre reicht die Trennung vollkommen aus, für hochsensible Daten sollten kritische Nutzer jedoch separate physische Geräte in Betracht ziehen.
Warum diese Funktion so unbekannt bleibt
Trotz der enormen Praktikabilität kennen erstaunlich wenige Android-Tablet-Besitzer den Multi-User-Modus. Ein Grund: Viele Hersteller verstecken die Option tief in den Systemeinstellungen. Bei einigen Budget-Tablets wird die Funktion von Herstellern sogar komplett deaktiviert, um Ressourcen zu sparen. Zudem bewirbt Google das Feature kaum aktiv, obwohl es einen echten Mehrwert bietet und die Tablet-Nutzung grundlegend verbessert.
Prüft am besten direkt, ob euer Tablet die Funktion unterstützt. Die meisten Geräte ab Android 5.0 beherrschen grundsätzlich mehrere Nutzer, bei Android-Tablets ist die Funktion standardmäßig aktiviert – im Gegensatz zu Smartphones, wo Google das Feature aus unerfindlichen Gründen in den meisten Fällen gesperrt hat. Wer sein Tablet wirklich mit der ganzen Familie teilen möchte, findet im Multi-User-Modus die perfekte Lösung für mehr Ordnung, Privatsphäre und Sicherheit im digitalen Alltag.
Inhaltsverzeichnis
