Während Europa friert, lockt Marrakesch im Januar mit 20 Grad und leeren Gassen: Wie Familien jetzt die rote Stadt für wenig Geld erobern

Wenn die Weihnachtsdekoration verpackt ist und der Alltag wieder Einzug hält, sehnen sich viele nach einem Tapetenwechsel – am besten einem, der weder das Budget sprengt noch eine wochenlange Planung erfordert. Marrakesch bietet genau diese perfekte Kombination: Ein Wochenende reicht aus, um in eine völlig andere Welt einzutauchen, während die milden Temperaturen im Januar die Stadt zu einem idealen Reiseziel für Familien machen. Während Europa friert, herrschen hier angenehme 18 bis 20 Grad – warm genug für Erkundungen, kühl genug, um nicht ins Schwitzen zu geraten. Die rote Stadt am Fuße des Atlasgebirges verzaubert mit ihren labyrinthischen Gassen, duftenden Gewürzmärkten und einer Atmosphäre, die gleichzeitig entspannt und elektrisierend wirkt.

Warum Marrakesch im Januar mit der Familie bereisen?

Der Januar gehört zu den unterschätzten Reisezeiten für Marrakesch. Während die Sommermonate brütende Hitze mit sich bringen, zeigt sich die Stadt zu Beginn des Jahres von ihrer angenehmsten Seite. Die Menschenmassen der Hochsaison bleiben aus, was besonders mit Kindern von Vorteil ist. Auf dem berühmten Djemaa el Fna müsst ihr euch nicht durch dichte Touristenscharen kämpfen, und in den Souks bleibt mehr Raum zum Staunen und Entdecken. Die kühleren Abende machen die traditionellen Teestuben zu gemütlichen Rückzugsorten, wo Kinder fasziniert den Akrobaten und Geschichtenerzählern lauschen können, während die Eltern endlich zur Ruhe kommen.

Ein weiterer Pluspunkt: Die Preise fallen im Januar merklich. Hotels, Riads und Unterkünfte bieten deutlich günstigere Tarife als in den Spitzenmonaten, was für Familien mit mehreren Zimmern einen erheblichen Unterschied macht. Auch die Flugpreise pendeln sich nach der Weihnachtszeit wieder auf einem erschwinglichen Niveau ein.

Die Medina erleben – ein Abenteuer für alle Sinne

Das Herz Marrakeschs schlägt in der Medina, der historischen Altstadt, die von mächtigen ockerfarbenen Mauern umgeben ist. Hier verlauft ihr euch garantiert – und das ist gut so. Die verwinkelten Gassen sind wie ein riesiger Abenteuerspielplatz für Kinder, die hinter jeder Ecke etwas Neues entdecken: Händler, die kunstvolle Laternen stapeln, Handwerker, die Leder in riesigen Bottichen färben, Bäcker, die frisches Brot aus traditionellen Öfen ziehen.

Der Gewürzmarkt wird zum Erlebnis für die Sinne. Lasst die Kinder raten, welche Düfte sie wahrnehmen – Zimt, Kreuzkümmel, Safran in leuchtenden Farben türmen sich zu beeindruckenden Pyramiden auf. Viele Händler freuen sich, wenn ihr Interesse zeigt, und erklären gerne ihre Waren. Ein kleines Säckchen mit marokkanischen Gewürzen kostet etwa 2 bis 3 Euro und ist ein perfektes Mitbringsel.

Plant für die Medina mindestens einen halben Tag ein, besser noch einen ganzen. Wichtig: Zieht bequeme Schuhe an, denn das Kopfsteinpflaster fordert die Füße. Nehmt eine Wasserflasche mit – Trinkwasser in Flaschen bekommt ihr an jeder Ecke für rund 0,50 Euro.

Der Djemaa el Fna – Unterhaltung inklusive

Dieser legendäre Platz verwandelt sich besonders am späten Nachmittag in ein Open-Air-Theater. Schlangenbeschwörer, Akrobaten, Musiker und Märchenerzähler konkurrieren um Aufmerksamkeit. Für Kinder ist das faszinierend, auch wenn sie die Geschichten auf Arabisch nicht verstehen – die Gestik und Mimik der Performer ist universell. Abends bauen fliegende Händler ihre Essensstände auf, und der Platz wird zu einer riesigen Freiluftküche.

Ein praktischer Tipp für Familien: Die Cafés rund um den Platz haben Terrassen im ersten Stock, von wo aus ihr das Treiben von oben beobachten könnt. Ein frisch gepresster Orangensaft kostet etwa 0,80 Euro, ein Pfefferminztee 1,50 Euro. Die Kinder können entspannt schauen, während ihr euch zurücklehnt – perfekt nach einem anstrengenden Tag durch die Souks.

Grüne Oasen in der roten Stadt

Marrakesch überrascht mit wunderschönen Gärten, die eine willkommene Pause vom Trubel der Medina bieten. Die Jardin Majorelle mit ihren kobaltblauen Gebäuden und exotischen Pflanzen sind ein Traum für Familien. Der Eintrittspreis liegt bei etwa 7 Euro für Erwachsene, Kinder zahlen weniger. Der Garten ist kompakt genug, dass kleine Beine nicht überfordert werden, aber groß genug für eine entspannte Stunde zwischen Kakteen, Bambus und plätschernden Brunnen.

Kostenlos und authentischer sind die öffentlichen Gärten wie die Menara-Gärten. Hier picknicken Einheimische unter alten Olivenbäumen, während Kinder am Rand des großen Wasserbeckens spielen. Der Blick auf das Atlasgebirge im Hintergrund, dessen Gipfel im Januar schneebedeckt sein können, ist spektakulär.

Kulinarische Entdeckungen für die ganze Familie

Die marokkanische Küche ist kinderfreundlicher als ihr Ruf. Tajine – das traditionelle Schmorgericht – gibt es in unzähligen Varianten, auch milde ohne scharfe Gewürze. In den zahlreichen kleinen Lokalen in der Medina bekommt ihr eine großzügige Portion bereits ab 4 bis 6 Euro. Couscous am Freitag ist Tradition, und viele einfache Restaurants bieten ihn mit Gemüse und Fleisch für etwa 5 bis 7 Euro an.

Kinder lieben die frisch gebackenen Msemen – dünne, schichtweise gefaltete Pfannkuchen, die mit Honig beträufelt werden. An Straßenständen kosten sie etwa 0,30 bis 0,50 Euro pro Stück. Auch die frischen Früchte sind ein Hit: Orangen, Mandarinen und Datteln sind im Januar in Hochsaison, günstig und überall verfügbar.

Ein Besuch in einer traditionellen Bäckerei ist lehrreich. Viele Marokkaner bringen ihr Brot zum gemeinschaftlichen Ofen, wo es für wenige Cent gebacken wird. Das frische Khobz, das runde marokkanische Fladenbrot, kostet etwa 0,20 Euro und schmeckt warm am besten.

Fortbewegung in Marrakesch

Das Taxi ist in Marrakesch erstaunlich günstig. Die kleinen roten Petit Taxis mit Taxameter fahren innerhalb der Stadt und kosten für typische Strecken zwischen 1,50 und 4 Euro. Besteht darauf, dass der Fahrer das Taxameter einschaltet – das ist vorgeschrieben und schützt vor Überteuerung. Mit kleinen Kindern sind Taxis deutlich angenehmer als das ständige Laufen.

Innerhalb der Medina kommt ihr nur zu Fuß voran, da die meisten Gassen für Autos zu eng sind. Das ist auch gut so, denn nur so entdeckt ihr die versteckten Winkel und charmanten Details. Plant jedoch mit Orientierungslosigkeit – eine Karte hilft nur bedingt, da viele Gassen nicht eingezeichnet sind. Betrachtet es als Teil des Abenteuers.

Übernachten ohne Luxusansprüche

Marrakesch bietet Unterkünfte für jeden Geldbeutel. Traditionelle Riads – Häuser mit Innenhof – gibt es in allen Preisklassen. Für Familien eignen sich besonders Riads mit größeren Zimmern oder Familienzimmern. Im Januar findet ihr solide Unterkünfte bereits ab 40 bis 60 Euro pro Nacht für ein Familienzimmer. Viele bieten ein typisch marokkanisches Frühstück mit frischem Brot, Marmelade, Oliven und Eiern inklusive.

Die Lage ist entscheidend: Eine Unterkunft in der Medina bedeutet Authentizität, aber auch schmale Gassen und Gepäcktransport zu Fuß. Hotels in der Neustadt Gueliz sind moderner und mit dem Taxi erreichbar, liegen aber weiter von den Hauptattraktionen entfernt. Für ein Wochenende mit Kindern kann eine zentrale, aber nicht zu tief in der Medina gelegene Unterkunft der beste Kompromiss sein.

Praktische Hinweise für Familien

Packt für Januar Schichten ein. Die Tage können angenehm warm werden, abends und nachts wird es jedoch kühl – teilweise unter 10 Grad. Eine leichte Jacke oder ein Pullover gehören ins Gepäck, ebenso Sonnenschutz für tagsüber.

Bargeld ist König in Marrakesch. Zwar akzeptieren größere Hotels und manche Geschäfte Karten, aber in den Souks, bei Straßenhändlern und in kleinen Restaurants zahlt ihr bar. Geldautomaten gibt es reichlich, und das Abheben ist unkompliziert. Rechnet mit etwa 10,50 bis 11 Dirham für einen Euro. Kleine Scheine sind wertvoll, da oft kein Wechselgeld vorhanden ist.

Wasser aus der Leitung solltet ihr meiden. Flaschenwasser ist überall günstig erhältlich und eine sichere Option für die ganze Familie. Achtet auch bei Salaten und rohem Gemüse auf Vorsicht – gekochte Speisen sind die sicherere Wahl, besonders für Kinder.

Die Marokkaner sind kinderlieb. Erwartet freundliche Blicke und oft auch kleine Aufmerksamkeiten für den Nachwuchs. Diese Gastfreundschaft macht das Reisen mit Familie besonders angenehm und nimmt die Sorge, dass Kinder stören könnten.

Ausflug ins Umland

Wenn ihr noch einen Tag Zeit habt, lohnt ein Ausflug ins Atlasgebirge. Bereits nach 45 Minuten Fahrt befindet ihr euch in einer völlig anderen Landschaft mit Berberdörfern, Terrassen und schneebedeckten Gipfeln. Ein Sammeltaxi dorthin kostet pro Person etwa 3 bis 5 Euro. Kinder erleben hier einen beeindruckenden Kontrast zur Stadt und können vielleicht zum ersten Mal Schnee in der Ferne sehen, während im Tal noch Mandelbäume blühen.

Marrakesch im Januar ist ein Geschenk für Familien, die ohne großen Aufwand in eine andere Welt eintauchen möchten. Die Stadt fordert alle Sinne, bleibt dabei aber überschaubar genug für ein entspanntes Wochenende. Mit den richtigen Erwartungen – ja, es wird chaotisch, laut und manchmal überwältigend – werdet ihr mit unvergesslichen Momenten belohnt, die noch lange nachwirken.

Was reizt dich am meisten an Marrakesch im Januar?
Die leeren Souks ohne Touristenmassen
Milde 20 Grad statt Winterkälte
Günstige Preise für Unterkünfte
Das Chaos auf Djemaa el Fna
Schneeberge und Mandelbäume gleichzeitig

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