Wer kennt es nicht: Man steht vor dem Kühlregal, greift zur Packung Mozzarella und denkt sich nichts dabei. 125 Gramm steht drauf, also werden wohl auch 125 Gramm Käse drin sein – oder? Tatsächlich erleben viele Verbraucher beim Öffnen der Packung eine unangenehme Überraschung. Die Kugeln schwimmen in reichlich Flüssigkeit, und nach dem Abtropfen bleibt deutlich weniger übrig als erwartet. Besonders ärgerlich wird es, wenn man für die Familie und speziell für Kinder einkauft, die ihre Lieblingspizza oder den Caprese-Salat bekommen sollen. Plötzlich reicht der Käse nicht mehr aus, und man hat unwissentlich einen erheblichen Teil des Geldes für Salzlake bezahlt.
Das versteckte Problem mit der Abtropfmasse
Die Crux liegt in der Kennzeichnung. Auf vielen Mozzarella-Packungen findet sich die Angabe des Nettogewichts, das die gesamte Packung inklusive der Flüssigkeit umfasst. Was fehlt oder nur im Kleingedruckten zu finden ist, ist die Abtropfmasse – also jene Menge an Käse, die tatsächlich nach dem Abgießen der Lake übrig bleibt. Bei manchen Produkten kann der Unterschied beträchtlich sein: Von den angegebenen 125 Gramm bleiben mitunter nur 80 oder 90 Gramm essbarer Käse übrig.
Der hohe Wassergehalt von Mozzarella ist produktbedingt und durchaus normal. Vollfett-Mozzarella enthält etwa 59 Prozent Wasser, Viertelfett-Varianten sogar bis zu 69 Prozent. Mozzarella wird als Weichkäse traditionell zusammen mit milder Salzlake abgefüllt, um seine Frische und cremige Konsistenz zu bewahren. Das österreichische Lebensmittelbuch definiert für Mozzarella mit hohem Wassergehalt Werte zwischen 69 und 76 Prozent – das bedeutet, dass nur etwa ein Drittel des Gesamtgewichts tatsächlich Käsemasse ist. Für Verbraucher bedeutet das: Sie zahlen für Wasser und Salzlake, während sie glauben, hauptsächlich Käse zu kaufen.
Warum gerade Familien mit Kindern betroffen sind
Mozzarella ist aus vielen Familienküchen nicht wegzudenken. Kinder lieben ihn auf Pizza, in Nudelaufläufen oder einfach pur als Snack. Der milde Geschmack und die weiche Konsistenz machen ihn zum idealen Käse für kleine Esser. Eltern greifen deshalb häufig zu diesem Produkt – und das oft in größeren Mengen.
Problematisch wird es, wenn man für eine Kindergeburtstagsparty oder ein Familienwochenende einkauft. Plant man beispielsweise Pizza für sechs Kinder, kalkuliert man mit einer bestimmten Menge Käse. Kauft man drei Packungen à 125 Gramm, geht man von insgesamt 375 Gramm aus. Tatsächlich landen aber vielleicht nur 250 Gramm auf der Pizza. Das Ergebnis: dünn belegte Pizzen und enttäuschte Kindergesichter. Zudem hat man unnötig Geld ausgegeben, das bei bewussterem Einkauf hätte gespart werden können.
Versteckte Kosten im Familienbudget
Der finanzielle Aspekt sollte nicht unterschätzt werden. Wenn man regelmäßig für eine Familie einkauft und mehrmals wöchentlich Mozzarella verwendet, summiert sich der Unterschied zwischen Nettogewicht und Abtropfmasse erheblich. Über ein Jahr gerechnet können so leicht zusätzliche Kosten entstehen, die in hochwertigen Käse oder andere Lebensmittel hätten fließen können.
Woran erkennt man die tatsächliche Käsemenge?
Der erste Schritt zur Vermeidung dieser Falle ist Aufmerksamkeit beim Einkauf. Achten Sie gezielt auf die Abtropfmasse oder das Abtropfgewicht auf der Verpackung. Diese Angabe zeigt, wie viel Käse nach dem Entfernen der Flüssigkeit übrig bleibt und ist die relevante Zahl für Ihre Kalkulation. Vergleichen Sie beide Werte, falls angegeben – ein großer Unterschied zwischen Nettogewicht und Abtropfgewicht deutet auf viel Flüssigkeit hin. Die Abtropfmasse versteckt sich oft in der Zutatenliste oder im unteren Bereich des Etiketts, manchmal wird auch angegeben, dass sie beispielsweise 70 Prozent des Nettogewichts beträgt.

Praktische Tipps für den Einkauf mit Kindern im Blick
Nehmen Sie sich im Supermarkt einen Moment Zeit, um verschiedene Produkte zu vergleichen. Manchmal bieten unterschiedliche Varianten ein besseres Verhältnis von Käse zu Flüssigkeit. Ein Produkt mit 125 Gramm Nettogewicht und 100 Gramm Abtropfmasse ist deutlich vorteilhafter als eines mit nur 80 Gramm Abtropfmasse zum gleichen Preis. Oft ist das Verhältnis bei größeren Packungseinheiten günstiger – eine 250-Gramm-Packung kann proportional mehr Käse und weniger Flüssigkeit enthalten als zwei kleine Packungen. Außerdem spart man Verpackungsmaterial und oft auch Geld pro Kilogramm Käse.
Alternative Angebotsformen prüfen
Überlegen Sie, ob vakuumverpackter Mozzarella eine Option ist. Dieser enthält deutlich weniger Flüssigkeit – der Wassergehalt liegt bei etwa 40 bis 47 Prozent statt 69 bis 76 Prozent wie bei in Salzlake eingelegten Varianten. Die Gewichtsangabe entspricht hier weitgehend der tatsächlichen Käsemenge. Auch Mozzarella am Stück von der Frischetheke kann eine lohnenswerte Alternative sein, bei der Sie genau sehen und abwiegen können, was Sie bekommen.
Es kann hilfreich sein, beim ersten Kauf eines neuen Produkts zu Hause nachzuwiegen. Abtropfen lassen, abwiegen und mit der Packungsangabe vergleichen. So entwickelt man schnell ein Gefühl dafür, welche Produkte fair sind und welche nicht. Diese Information können Sie dann beim nächsten Einkauf nutzen.
Was können Eltern bei unklaren Angaben tun?
Sollten Sie feststellen, dass die Abtropfmasse nicht klar angegeben ist oder die tatsächliche Menge deutlich von den Erwartungen abweicht, haben Sie mehrere Möglichkeiten. Sprechen Sie die Filialleitung an und weisen Sie auf das Problem hin – Händler haben ein Interesse an zufriedenen Kunden. Verbraucherzentralen nehmen Hinweise auf unklare Kennzeichnungen ernst und können Untersuchungen einleiten. Bei Fragen zur Kennzeichnung ist auch die zuständige Lebensmittelüberwachung der richtige Ansprechpartner. Teilen Sie außerdem Ihre Erfahrungen online, damit andere Eltern vorgewarnt sind.
Die Perspektive der Kinder nicht vergessen
Über die finanziellen und praktischen Aspekte hinaus gibt es noch einen weiteren wichtigen Punkt: Kinder entwickeln durch das Verhalten ihrer Eltern ein Verständnis für bewussten Konsum. Wenn Sie Ihren Kindern erklären, warum Sie genau auf Verpackungsangaben achten und wie man Produkte vergleicht, vermitteln Sie wichtige Kompetenzen für deren späteres Leben. Sie lernen, dass nicht alles, was auf der Verpackung steht, auf den ersten Blick verständlich ist und dass es sich lohnt, genauer hinzuschauen.
Gleichzeitig vermeiden Sie Enttäuschungen beim Kochen. Nichts ist frustrierender für Kinder, als wenn die Pizza weniger Käse hat als versprochen oder der Lieblingssalat nicht zubereitet werden kann, weil der Mozzarella nicht reicht.
Transparenz als Schlüssel zu fairem Einkauf
Die Lösung des Problems liegt nicht darin, auf Mozzarella zu verzichten, sondern in größerer Transparenz seitens der Hersteller und mehr Aufmerksamkeit seitens der Verbraucher. Eine klare, gut sichtbare Angabe der Abtropfmasse sollte Standard sein. Der hohe Wassergehalt von Mozzarella ist produkttypisch und für die Qualität notwendig – doch Käufer sollten genau wissen, wie viel Käse sie tatsächlich für ihr Geld bekommen. Bis es so weit ist, liegt es an uns als informierte Käufer, genau hinzuschauen und bewusste Entscheidungen zu treffen – besonders wenn wir für unsere Kinder einkaufen, die darauf vertrauen, dass das Essen auf dem Tisch hält, was es verspricht.
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