Während die meisten europäischen Familien im Januar noch in dicken Wintermänteln durch verschneite Straßen stapfen, bietet sich eine faszinierende Alternative am anderen Ende der Welt: Gyeongju in Südkorea. Diese geschichtsträchtige Stadt, einst Hauptstadt des mächtigen Silla-Königreichs, verwandelt sich im Januar in ein zugängliches Freilichtmuseum, das ohne die sommerlichen Touristenmassen erkundet werden kann. Die klare, frische Winterluft macht die jahrhundertealten Tempel und königlichen Grabhügel zu einem besonders eindringlichen Erlebnis, während die Preise für Unterkünfte deutlich unter denen der Hauptsaison liegen – perfekt für Familien, die ihren Urlaubsbudget schonen möchten.
Warum Gyeongju im Januar genau richtig ist
Der Januar mag kühl sein, mit Temperaturen zwischen -5 und 5 Grad Celsius, doch genau das macht den Charme aus. Die Stadt zeigt sich von ihrer authentischen Seite, fernab vom Massentourismus. Kinder können durch leergefegite archäologische Parks toben, ohne in Menschenschlangen anzustehen, und die winterliche Atmosphäre verleiht den historischen Stätten eine mystische Qualität. Die klare Sicht ermöglicht atemberaubende Fotomomente, besonders wenn sich morgendlicher Frost auf die alten Steinstrukturen legt. Zudem sind die Eintrittspreise zu vielen Sehenswürdigkeiten familienfreundlich gestaltet, und mehrere wichtige Stätten kosten gar keinen Eintritt.
Das Museum ohne Wände erkunden
Gyeongju trägt den Spitznamen „Museum ohne Wände“ völlig zu Recht. Im Zentrum der Stadt erheben sich die königlichen Grabhügel des Daereungwon-Parks wie sanfte grüne Hügel aus einer anderen Zeit. Kinder lieben es, diese mysteriösen Erhebungen zu erforschen, und der Eintritt von etwa 3 Euro pro Person macht dies zu einem budgetfreundlichen Ausflug. Einer der Grabhügel, Cheonmachong, kann von innen besichtigt werden – ein absolutes Highlight, das selbst müde Kinderfüße wieder munter macht.
Der nahegelegene Anapji-Teich, heute offiziell Donggung-Palast und Wolji-Teich genannt, bietet sowohl tagsüber als auch bei Nacht spektakuläre Anblicke. Die historischen Pavillons spiegeln sich malerisch im Wasser, und im Januar habt ihr diese Kulisse oft fast für euch allein. Der Eintrittspreis liegt bei etwa 2,50 Euro für Erwachsene, Kinder zahlen die Hälfte.
Tempel und spirituelle Orte
Der Bulguksa-Tempel, ein UNESCO-Weltkulturerbe, thront majestätisch am Hang des Tohamsan-Berges. Die steinernen Brücken und mehrstöckigen Pagoden faszinieren durch ihre zeitlose Eleganz. Im Januar könnt ihr die kunstvollen Details in Ruhe studieren, während eure Kinder die verschiedenen Ebenen des Tempelkomplexes erkunden. Der Eintritt kostet etwa 5 Euro für Erwachsene und 2,50 Euro für Kinder – eine Investition, die sich lohnt.
Von hier aus führt ein Wanderweg zur Seokguram-Grotte, ebenfalls UNESCO-Weltkulturerbe. Der etwa 3 Kilometer lange Aufstieg ist machbar für Familien mit älteren Kindern und bietet herrliche Ausblicke auf die winterliche Landschaft. Die Buddha-Statue in der Grotte gilt als Meisterwerk buddhistischer Kunst.
Praktische Fortbewegung für Familien
Gyeongju ist kompakt genug, um viele Sehenswürdigkeiten zu Fuß zu erreichen, doch mit Kindern bieten sich Alternativen an. Das lokale Bussystem ist günstig und effizient – eine Fahrt kostet umgerechnet weniger als 1 Euro. Busse verbinden alle wichtigen Sehenswürdigkeiten, und die meisten Haltestellen haben englische Beschriftungen.
Eine familienfreundliche Option sind Leihfahrräder, die an verschiedenen Stationen in der Stadt verfügbar sind. Für etwa 3-5 Euro pro Tag könnt ihr die Stadt im eigenen Tempo erkunden. Viele Verleihstationen bieten auch Kindersitze und kleine Fahrräder an. Die relativ flachen Straßen im Zentrum machen das Radfahren angenehm, auch wenn im Januar warme Kleidung unverzichtbar ist.
Taxis sind ebenfalls erschwinglich, besonders wenn ihr sie über Smartphone-Apps bucht. Eine Fahrt quer durch die Stadt kostet selten mehr als 5-7 Euro.
Übernachten ohne das Budget zu sprengen
Im Januar sinken die Unterkunftspreise deutlich. Traditionelle koreanische Gästehäuser, sogenannte Hanoks, bieten ein authentisches Erlebnis zu vernünftigen Preisen. Eine Familie kann ein geräumiges Zimmer mit traditioneller Fußbodenheizung (Ondol) für etwa 50-70 Euro pro Nacht finden – im Sommer würde dasselbe Zimmer leicht das Doppelte kosten.

Die Ondol-Heizung ist besonders im Januar ein Segen: Der Boden wird angenehm warm, und Kinder lieben es oft, auf den traditionellen Futonmatratzen zu schlafen. Viele dieser Unterkünfte befinden sich in der Nähe des historischen Zentrums, sodass ihr morgendliche Spaziergänge durch die ruhigen Gassen unternehmen könnt, bevor die wenigen Besucher eintreffen.
Moderne Pensionen und kleinere Hotels bieten Familienzimmer ab etwa 60 Euro pro Nacht an, oft inklusive einfachem Frühstück. Achtet auf Unterkünfte mit Kochmöglichkeiten – das spart zusätzlich Geld bei den Mahlzeiten.
Kulinarische Entdeckungen für kleine und große Entdecker
Die koreanische Küche mag zunächst ungewohnt erscheinen, doch Gyeongju bietet zahlreiche familienfreundliche Optionen. Lokale Märkte sind wahre Schatzkammern für budgetbewusstes Essen. Der Seongdong-Markt pulsiert mit Leben und bietet alles von frisch zubereiteten Reiskuchen bis zu würzigen Teigtaschen. Für 10-15 Euro kann eine vierköpfige Familie hier ein herzhaftes Mittagessen genießen.
Kleine Restaurants rund um die Hauptsehenswürdigkeiten servieren lokale Spezialitäten zu fairen Preisen. Eine Portion Bibimbap (gemischter Reis mit Gemüse) kostet etwa 5-7 Euro, Kimchi-Eintopf ähnlich viel. Die meisten Restaurants bieten automatisch verschiedene Beilagen (Banchan) kostenlos an, was gerade für hungrige Kinder praktisch ist.
Convenience Stores sind überall zu finden und bieten warme Snacks, Fertiggerichte und Getränke zu niedrigen Preisen. Ein vollständiges Frühstück aus dem Convenience Store kostet etwa 3-4 Euro pro Person. Für Familien mit wählerischen Essern eine beruhigende Rückfalloption.
Süße Entdeckungen
Gyeongju ist berühmt für sein Hwangnam-Brot, eine süße Spezialität mit roter Bohnenpaste. Bäckereien in der ganzen Stadt verkaufen diese traditionellen Leckereien, und eine Packung kostet etwa 3-4 Euro – perfekt als Snack für unterwegs oder Mitbringsel.
Besondere Erlebnisse für Familien
Das Gyeongju National Museum bietet kostenlosen Eintritt und ist perfekt für einen verregneten oder besonders kalten Januartag. Die Ausstellungen sind interaktiv gestaltet, und die berühmte Emille-Glocke beeindruckt selbst Teenager. Plant etwa zwei bis drei Stunden ein, um die wichtigsten Sammlungen zu sehen.
Der Bomun-See im Osten der Stadt ist im Januar ruhig und friedlich. Ein Spaziergang um den See herum ist kostenlos und bietet schöne Winterlandschaften. Wenn eure Kinder Energie übrig haben, gibt es Spielplätze und offene Flächen zum Herumtoben.
Für ältere Kinder lohnt sich eine Fahrt zum Namsan-Berg, dem heiligen Berg der Silla-Dynastie. Verschiedene Wanderwege unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade führen vorbei an Dutzenden von Buddhafiguren und Tempelruinen. Die Wege sind gut markiert, und die winterliche Ruhe macht die spirituelle Atmosphäre besonders eindrucksvoll.
Geld sparen mit kleinen Tricks
Investiert in eine T-money-Karte am Bahnhof oder in Convenience Stores für etwa 2-3 Euro. Diese wiederaufladbare Karte funktioniert in Bussen und Zügen in ganz Südkorea und gewährt kleine Rabatte auf die Fahrtkosten. Für Familien summiert sich das schnell.
Viele Sehenswürdigkeiten bieten Kombi-Tickets an, die günstiger sind als Einzeltickets. Ein Pass für mehrere Tempel und Parks kostet etwa 15-20 Euro für Erwachsene und ermöglicht Zugang zu den wichtigsten Stätten über mehrere Tage hinweg.
Kauft Wasser und Snacks in Supermärkten statt an touristischen Hotspots. Eine große Flasche Wasser kostet im Supermarkt etwa 0,70 Euro, an Sehenswürdigkeiten das Doppelte oder Dreifache.
Die öffentlichen Trinkwasserspender, die ihr überall in der Stadt findet, liefern kostenloses, sauberes Trinkwasser. Bringt wiederverwendbare Flaschen mit und spart euch den Kauf von Plastikflaschen.
Gyeongju im Januar ist ein Geschenk für Familien, die Geschichte erleben möchten, ohne sich durch Touristenmassen zu kämpfen oder das Urlaubsbudget zu sprengen. Die Kombination aus bedeutenden historischen Stätten, familienfreundlicher Infrastruktur und winterlicher Ruhe schafft ein unvergessliches Erlebnis, das Kindern zeigt, wie faszinierend ferne Kulturen sein können – und das zu Preisen, die das Portemonnaie schonen.
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