Wer kennt das nicht: Der Browser läuft, man hat gefühlt nur ein paar Tabs offen, und trotzdem scheint der Rechner zu ächzen. Google Chrome gilt nicht umsonst als Ressourcenfresser – doch was viele nicht wissen, ist dass selbst Tabs, die man längst vergessen hat, fleißig im Hintergrund werkeln. Der Übeltäter? Oft sind es Push-Benachrichtigungen von Websites, denen man irgendwann mal den Zugriff gewährt hat. Diese versteckte Belastung durch die Notification API kann den Unterschied zwischen einem flüssig laufenden System und einem trägen Browser ausmachen.
Das versteckte Problem: Die Notification API als Leistungsbremse
Chrome nutzt die sogenannte Notification API, um Websites die Möglichkeit zu geben, Push-Benachrichtigungen direkt an den Desktop zu senden. Das klingt erstmal praktisch – News-Seiten können über Eilmeldungen informieren, Messenger über neue Nachrichten, oder Online-Shops über Sonderangebote. Das Problem: Einmal erteilt, bleibt diese Berechtigung dauerhaft aktiv. Die Website kann dann jederzeit im Hintergrund Daten abrufen, Verbindungen aufbauen und Systemressourcen beanspruchen – selbst wenn der Tab gerade nicht aktiv ist oder man die Seite schon seit Wochen nicht mehr besucht hat.
Besonders tückisch wird es, wenn man über die Monate hinweg dutzende solcher Berechtigungen erteilt hat, ohne sich dessen bewusst zu sein. Viele Menschen erteilen unbewusst Benachrichtigungsberechtigungen, oft einfach durch reflexartiges Wegklicken der Pop-ups. Jede dieser Websites hält quasi eine offene Leitung zum Browser aufrecht. Das Resultat: erhöhter RAM-Verbrauch, mehr CPU-Auslastung und im schlimmsten Fall sogar ein spürbarer Einfluss auf die Akkulaufzeit bei Laptops.
Warum Chrome im Hintergrund so viele Ressourcen frisst
Chrome ist für seine Multi-Process-Architektur bekannt. Jeder Tab läuft in einem eigenen Prozess – das macht den Browser stabiler, aber auch hungriger nach Ressourcen. Wenn nun ein Tab Benachrichtigungsrechte hat, muss Chrome einen Service Worker aktiv halten. Dieser Worker ist im Grunde ein JavaScript-Skript, das unabhängig von der sichtbaren Webseite läuft und auf eingehende Push-Nachrichten wartet.
Service Worker können zwar positive Auswirkungen auf die Performance haben – etwa durch effizientes Caching – doch wenn zehn, zwanzig oder mehr Seiten gleichzeitig mit aktiven Service Workern lauschen, summiert sich das schnell zu einem spürbaren Performance-Problem. Bei ein oder zwei Websites mag das kaum ins Gewicht fallen, aber die Menge macht den Unterschied. Genau hier liegt der Grund, warum Chrome manchmal deutlich mehr Arbeitsspeicher verbraucht als andere Browser.
So findet ihr heraus, welche Seiten Benachrichtigungen senden dürfen
Der erste Schritt zur Lösung ist Transparenz. Chrome versteckt die Liste der berechtigten Websites leider nicht gerade prominent, aber mit ein paar Klicks kommt man ran:
- Öffnet die Chrome-Einstellungen über die drei Punkte oben rechts
- Navigiert zu „Datenschutz und Sicherheit“
- Klickt auf „Website-Einstellungen“
- Scrollt runter zu „Benachrichtigungen“
Hier seht ihr eine komplette Liste aller Websites, die Benachrichtigungen senden dürfen. Viele Nutzer sind überrascht, wie lang diese Liste ist – und wie viele davon Seiten sind, die man gar nicht mehr aktiv nutzt. Jede dieser Einträge ist ein potenzieller Ressourcenfresser, der still und heimlich im Hintergrund arbeitet.
Aufräumen macht den Unterschied
Jetzt wird’s konkret: Geht die Liste systematisch durch und fragt euch bei jedem Eintrag, ob ihr diese Benachrichtigungen wirklich braucht. Nachrichten-Portale, die man nur einmal für einen Artikel besucht hat? Weg damit. Online-Shops, bei denen man vor Monaten einmal bestellt hat? Braucht man nicht. Selbst bei Seiten, die man regelmäßig nutzt, sollte man kritisch hinterfragen, ob Push-Benachrichtigungen wirklich nötig sind.
Das Entfernen ist denkbar einfach: Klickt auf die drei Punkte neben der Website und wählt „Entfernen“. Die Berechtigung wird sofort widerrufen, der Service Worker beendet und die Ressourcen freigegeben. Wer radikaler vorgehen will, kann auch den Schalter „Websites können anfragen, Benachrichtigungen zu senden“ komplett deaktivieren – dann wird man nie wieder mit diesen Pop-ups belästigt.

Alternative Strategien für Power-User
Es gibt noch weitere Kniffe, um Chromes Hintergrundhunger in den Griff zu bekommen. Die Funktion „Speicherung beim Schließen löschen“ kann man pro Website aktivieren. Das findet ihr ebenfalls in den Website-Einstellungen unter „Cookies und Websitedaten“. Wenn eine Seite beim Schließen des Tabs alle Daten löscht, können auch keine Hintergrundprozesse weiterlaufen.
Ein weiterer Ansatz: Nutzt den Task-Manager von Chrome (Shift + Esc), um zu sehen, welche Tabs und Erweiterungen wirklich Ressourcen verbrauchen. Manchmal sind es gar nicht die Benachrichtigungen selbst, sondern andere Skripte, die im Zusammenhang mit der Notification API laufen. Der Task-Manager zeigt detailliert Speicher- und CPU-Verbrauch jedes einzelnen Prozesses an und hilft dabei, die echten Übeltäter zu identifizieren.
Was die wenigsten über Service Worker wissen
Hier wird’s technisch interessant: Service Worker sind grundsätzlich so konzipiert, dass sie unabhängig von der sichtbaren Webseite funktionieren können und Push-Benachrichtigungen unterstützen. Dadurch können bestimmte Hintergrundaktivitäten weiterlaufen, selbst wenn Tabs nicht mehr aktiv sind. Das erklärt, warum Chrome manchmal mehr Ressourcen verbraucht als erwartet – der Browser arbeitet buchstäblich für euch weiter, auch wenn ihr gerade gar nicht hinschaut.
Wer Hintergrundaktivitäten konsequent unterbinden möchte, kann in den Chrome-Einstellungen unter „System“ die Option „Apps im Hintergrund ausführen, wenn Google Chrome geschlossen ist“ deaktivieren. Das stoppt alle Hintergrundaktivitäten konsequent, sobald das letzte Chrome-Fenster geschlossen wird. Eine radikale, aber effektive Maßnahme.
Die Rolle von Browser-Erweiterungen
Nicht zu unterschätzen ist auch der Einfluss von Erweiterungen. Manche Add-ons haben eigene Benachrichtigungsrechte oder interagieren mit den Service Workern von Websites. Eine überfüllte Erweiterungsleiste kann die Problematik noch verschärfen. Ein regelmäßiger Check, welche Erweiterungen man wirklich braucht, lohnt sich also doppelt.
Tools wie Tab Wrangler können helfen, inaktive Tabs automatisch zu suspendieren. Dabei werden alle Prozesse des Tabs eingefroren, einschließlich Service Worker und Benachrichtigungsdienste. Der Tab bleibt sichtbar, verbraucht aber kaum noch Ressourcen – eine clevere Lösung für alle, die gerne viele Tabs offen haben.
Praktische Auswirkungen auf den Alltag
Nach einem gründlichen Aufräumen der Benachrichtigungsberechtigungen berichten viele Nutzer von spürbaren Verbesserungen. Der Browser startet schneller, Tabs reagieren flotter, und bei Laptops hält der Akku merklich länger. Besonders bei älteren Rechnern mit begrenztem RAM macht sich der Unterschied deutlich bemerkbar. Was anfangs wie eine Kleinigkeit wirkt, entpuppt sich als echter Game-Changer für die alltägliche Nutzung.
Ein netter Nebeneffekt: Weniger Benachrichtigungen bedeuten auch weniger Ablenkung. Ständige Pop-ups von Websites, die man längst vergessen hat, können die Konzentration erheblich stören. Ein aufgeräumtes Benachrichtigungssystem ist also nicht nur technisch, sondern auch psychologisch von Vorteil. Wer fokussiert arbeiten will, sollte diese Störquellen konsequent eliminieren.
Prävention: Benachrichtigungen von Anfang an richtig handhaben
Statt einmal im Jahr radikal aufzuräumen, lohnt es sich, von vornherein selektiv zu sein. Die Grundregel: Nur Websites erlauben, bei denen man zeitkritische Benachrichtigungen wirklich braucht. Ein Messenger-Dienst? Durchaus sinnvoll. Ein Blog, den man gelegentlich liest? Eher nicht. Diese bewusste Entscheidung spart später viel Arbeit und hält das System von Anfang an schlank.
Chrome zeigt die Benachrichtigungsanfrage als Pop-up an, das oft reflexartig weggeklickt wird. Nehmt euch die zwei Sekunden Zeit, bewusst auf „Blockieren“ zu klicken, wenn ihr unsicher seid. Ihr könnt die Berechtigung später immer noch manuell erteilen, falls sie doch nötig sein sollte. Ein schlanker, aufgeräumter Browser ist nicht nur schneller, sondern auch angenehmer in der Nutzung. Die Kontrolle über Benachrichtigungsberechtigungen zurückzugewinnen ist ein einfacher Schritt mit großer Wirkung – probiert es aus und spürt den Unterschied selbst.
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