Lebensmittel-Experten warnen vor diesem Trick, den jeder Wurstproduzent bei Ihnen anwendet

Wer vor dem Kühlregal steht und nach einer vermeintlich leichten Alternative zu herkömmlichen Wiener Würstchen sucht, wird schnell fündig: Bezeichnungen wie „Leichte Wiener“, „Feine Geflügel-Wiener“ oder „Balance-Würstchen“ suggerieren gesundheitsbewussten Käufern eine kalorienreduzierte, fettarme Variante. Doch ein genauer Blick auf die Zutatenliste und Nährwerttabelle offenbart häufig eine ernüchternde Wahrheit. Die tatsächliche Zusammensetzung dieser Produkte weicht oft erheblich von den Erwartungen ab, die der Name weckt.

Das Spiel mit Erwartungen und Assoziationen

Verkaufsbezeichnungen unterliegen zwar rechtlichen Vorgaben, doch der Spielraum für kreative Namensgebung bleibt erheblich. Während lebensmittelrechtlich geschützte Begriffe wie „Wiener Würstchen“ bestimmte Mindestanforderungen an Fleischanteil und Herstellung erfüllen müssen, eröffnen Zusätze wie „Art“, „nach Art von“ oder fantasievolle Wortkreationen einen Graubereich. Hier können Hersteller Produkte kreieren, die optisch und namentlich an klassische Wiener erinnern, deren Zusammensetzung jedoch fundamental abweicht.

Formulierungen, die Gesundheitsbewusstsein ansprechen, wirken besonders verlockend. Ein Würstchen mit der Bezeichnung „Geflügel“ klingt für viele Verbraucher automatisch nach weniger Fett und Kalorien. Tatsächlich ist diese Einschätzung in den meisten Fällen auch zutreffend: Putenbrust-Aufschnitt enthält beispielsweise nur etwa 1 Gramm Fett pro 100 Gramm, während klassische Wiener Würstchen aus Schweinefleisch auf 26 bis 28 Gramm Fett kommen. Auch bei den Kalorien zeigt sich ein deutlicher Unterschied: Geflügelaufschnitt liegt bei rund 90 Kilokalorien pro 100 Gramm, klassische Wiener hingegen bei etwa 300 Kilokalorien.

Wenn „leicht“ nicht wirklich leicht bedeutet

Der Begriff „leicht“ ist rechtlich nur dann zulässig, wenn das Produkt mindestens 30 Prozent weniger eines bestimmten Nährstoffs enthält als vergleichbare Standardprodukte. Klingt eindeutig – ist es aber nicht. Denn welches Produkt als Vergleichsbasis herangezogen wird, bleibt oft unklar. Ein „leichtes“ Würstchen kann durchaus 20 Gramm Fett pro 100 Gramm enthalten, wenn das Referenzprodukt besonders fettreich war.

Zudem konzentrieren sich solche Angaben meist auf einen einzigen Nährstoff. Die Nährwerttabellen zeigen jedoch, dass echte fettarme Wurstsorten wie Geflügel- oder Pressschinken-Aufschnitt nicht zwingend hohe Kohlenhydratanteile aufweisen müssen. Der Eiweißgehalt bleibt bei vielen fettreduzierten Produkten erhalten oder steigt sogar leicht an. Das Gesamtprofil kann dadurch durchaus günstiger ausfallen als bei klassischen Varianten – für den gesundheitsbewussten Verbraucher aber schwer zu durchschauen, wenn er sich primär am Produktnamen orientiert.

Die Verschleierung durch komplexe Bezeichnungen

Manche Verkaufsbezeichnungen wirken bewusst kompliziert oder unspezifisch. „Brühwurst nach Wiener Art mit Geflügelfleisch“ sagt beispielsweise wenig über die tatsächliche Qualität aus. Der Fleischanteil kann minimal sein, während Bindegewebe, Schwarten und mechanisch separiertes Fleisch den Hauptbestandteil bilden. Diese Bestandteile sind nicht zwingend bedenklich, entsprechen aber nicht dem, was sich die meisten Käufer unter einem hochwertigen Produkt vorstellen.

Besonders problematisch: Viele Verbraucher kennen den Unterschied zwischen verschiedenen Fleischqualitäten nicht. „Separatorenfleisch“ beispielsweise muss zwar deklariert werden, doch in der langen Zutatenliste geht dieser Hinweis leicht unter. Der Produktname selbst lässt davon nichts erahnen und erweckt durch Begriffe wie „fein“, „premium“ oder „klassisch“ sogar gegenteilige Assoziationen.

Gesundheitsbezogene Täuschungen durch Weglassungen

Eine weitere Strategie besteht darin, bestimmte Inhaltsstoffe bewusst nicht im Produktnamen zu erwähnen. Ein Würstchen wird als „mit Huhn“ beworben, verschweigt aber, dass daneben erhebliche Mengen Schweinefett verarbeitet wurden. Für Menschen mit religiösen Ernährungsvorschriften oder spezifischen Gesundheitszielen kann dies problematisch sein.

Ähnlich verhält es sich mit Zusatzstoffen. Namen wie „Naturwiener“ oder „Traditionswürstchen“ suggerieren Natürlichkeit und handwerkliche Herstellung. Die Zutatenliste offenbart dann jedoch Phosphate, Geschmacksverstärker, Stabilisatoren und Farbstoffe. Rechtlich mag dies korrekt sein, da diese Begriffe nicht geschützt sind – aus Verbrauchersicht entsteht aber eine klare Diskrepanz zwischen Erwartung und Realität.

Der Nitritpökelsalz-Faktor und seine Verschleierung

Viele Wiener Würstchen enthalten Nitritpökelsalz, das für die charakteristische rosa Farbe und das typische Aroma sorgt. Gesundheitsbewusste Verbraucher meiden diesen Zusatzstoff zunehmend wegen möglicher Gesundheitsrisiken. Einige Hersteller reagieren darauf mit Produkten „ohne Nitritpökelsalz“ – ein echter Vorteil. Andere jedoch verwenden alternative Pökelmethoden oder Farbstoffe, die ähnliche Effekte erzielen, aber im Produktnamen nicht erwähnt werden.

Wer gezielt nach nitritfreien Alternativen sucht, muss also nicht nur auf entsprechende Auslobungen achten, sondern auch die komplette Zutatenliste studieren. Der Produktname allein gibt darüber selten verlässlich Auskunft.

Praktische Orientierungshilfen beim Einkauf

Um nicht in die Falle irreführender Verkaufsbezeichnungen zu tappen, sollten Verbraucher einige grundlegende Prüfschritte durchführen. Die Zutatenliste gibt immer Aufschluss über die tatsächliche Zusammensetzung – und zwar in absteigender Reihenfolge nach Gewichtsanteil. Steht Wasser oder Fett vor dem Fleisch, sollten Alarmglocken läuten.

Die Nährwerttabelle verrät mehr als jeder noch so ausgeklügelte Produktname. Ein Blick auf Fett-, Salz- und Kohlenhydratgehalt pro 100 Gramm schafft Vergleichbarkeit. Vorsicht bei Angaben pro Portion: Diese sind nicht standardisiert und können bewusst kleingerechnet sein. Die Unterschiede zwischen verschiedenen Wurstsorten sind erheblich: Während klassische Wiener Würstchen etwa 27 Gramm Fett und 300 Kilokalorien pro 100 Gramm enthalten, liegt Putenbrust-Aufschnitt bei nur 1,4 Gramm Fett und rund 90 Kilokalorien.

Geschützte Bezeichnungen wie „Wiener Würstchen“ bieten eine gewisse Orientierung, da sie Mindeststandards garantieren. Sobald jedoch Zusätze wie „Art“ auftauchen, entfallen diese Garantien weitgehend. Dann ist besondere Wachsamkeit gefragt. Die Verantwortung liegt dabei nicht allein beim Verbraucher – strengere Regelungen und konsequentere Kontrollen könnten die Irreführung eindämmen. Bis dahin bleibt gesunder Skeptizismus die beste Strategie beim Griff ins Wurstregal.

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