Wer schon einmal mit funkelnden Augen ein kleines Katzenbaby nach Hause gebracht hat, kennt die Ernüchterung: Aus dem verschmusten Fellknäuel wird manchmal innerhalb weniger Wochen ein wirbelnder Wirbelwind, der Vorhänge erklimmt, nachts über Möbel springt und die Hände seiner Menschen als Jagdobjekt betrachtet. Doch bevor Frustration aufkommt, lohnt sich ein Blick auf die Ernährung – denn sie spielt eine weitaus größere Rolle bei Verhaltensproblemen, als die meisten Katzenhalter vermuten.
Der unterschätzte Zusammenhang zwischen Futter und Verhalten
Erfahrene Züchter wissen es längst: Die Ernährung beeinflusst nicht nur die körperliche Entwicklung junger Katzen, sondern auch ihr emotionales Gleichgewicht und Verhalten. Bestimmte Nährstoffmängel bei Jungtieren können zu erhöhter Reizbarkeit, Hyperaktivität und Aggressivität beitragen.
Besonders kritisch sind die ersten sechs bis zwölf Lebensmonate. In dieser Phase entwickelt sich nicht nur der Körper rasant, sondern auch das Nervensystem und die Verhaltensmuster, die eine Katze ein Leben lang begleiten werden. Ein unausgewogenes Futter kann dabei wie ein ständiger Störfaktor wirken – vergleichbar mit einem Kind, das zu viel Zucker konsumiert und nicht zur Ruhe kommt.
Proteine: Die Grundlage für stabile Nerven
Katzen sind obligate Karnivoren, ihr gesamter Stoffwechsel ist auf tierisches Protein ausgelegt. Ihr Körper nutzt Aminosäuren unmittelbar nach der Futteraufnahme zur Energiegewinnung, weshalb die Enzyme für den Proteinabbau ständig auf hohem Niveau arbeiten. Bei jungen Katzen ist der Proteinbedarf besonders hoch – ein Mangel führt zu Muskeldegenerationen und kann die gesunde Entwicklung beeinträchtigen.
Achten Sie darauf, dass in der Zutatenliste konkrete Fleischsorten an erster Stelle stehen, nicht vage Formulierungen wie „tierische Nebenerzeugnisse“. Diese können aus minderwertigen Schlachtabfällen bestehen, die zwar billig sind, aber nicht die Nährstoffdichte bieten, die eine junge Katze für ihre Entwicklung benötigt. Hochwertige Fleischsorten wie Huhn, Pute oder Kaninchen liefern die essentiellen Aminosäuren, die der Stoffwechsel junger Katzen dringend braucht.
Der Einfluss von Kohlenhydraten auf die Hyperaktivität
Hier wird es für viele Katzenhalter überraschend: Während Menschen Kohlenhydrate gut verstoffwechseln können, fehlt Katzen dafür die enzymatische Ausstattung. Die Aktivität der für die Kohlenhydratverdauung verantwortlichen Enzyme ist bei Katzen äußerst gering. Ihr Verdauungssystem ist nicht darauf ausgelegt, größere Mengen an Getreide, Kartoffeln oder Reis zu verarbeiten.
Forschungsarbeiten zur Katzenernährung zeigen, dass Katzen Futter mit mehr als 30 Prozent Kohlenhydratanteil deutlich ablehnen. Die Toleranzgrenze liegt bei etwa 5 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht – wird diese überschritten, kann es zu osmotischen Durchfällen kommen. Dennoch enthalten manche kommerzielle Futtermittel, insbesondere Trockenfutter, hohe Kohlenhydratanteile, schlicht weil sie als billiger Füllstoff dienen.
Die Folge: Der Blutzuckerspiegel der Katze schwankt wie eine Achterbahn. Nach der Fütterung schnellt er in die Höhe, was zu Energieschüben führt. Wenige Stunden später sackt er ab, die Katze wird unruhig, gereizt und sucht nach Beschäftigung – oft in Form von unerwünschtem Verhalten.
Für junge Katzen mit Verhaltensauffälligkeiten empfiehlt sich daher ein Futter mit niedrigem Kohlenhydratgehalt. Bei Nassfutter lässt sich dies leichter realisieren als bei Trockenfutter.
Essentielle Fettsäuren für die Gehirnentwicklung
Die Entwicklung des Gehirns ist bei jungen Katzen noch lange nicht abgeschlossen. Katzen fehlt das Enzym δ-6-Desaturase, weshalb bestimmte Fettsäuren essentiell über das Futter aufgenommen werden müssen. Hochqualitative Fettsäuren sind für die gesunde Entwicklung unverzichtbar und beeinflussen direkt die neuronale Reifung sowie das Verhalten.
Die besten natürlichen Quellen sind fetter Seefisch wie Lachs, Makrele oder Sardinen. Viele hochwertige Katzenfutter enthalten Fischöl als Zutat. Alternativ können Sie das Futter mit einem speziellen Fettsäure-Supplement für Katzen anreichern – sprechen Sie dies jedoch vorher mit Ihrem Tierarzt ab, da eine Überdosierung ebenfalls problematisch sein kann.

Wichtige Mikronährstoffe und Vitamine
Während alle Welt über Proteine spricht, werden Mikronährstoffe oft übersehen. Dabei spielen sie eine entscheidende Rolle für das Nervensystem. Katzen können bestimmte Vitamine nicht selbst herstellen – beispielsweise fehlt ihnen die Fähigkeit, Tryptophan in Nikotinsäure umzuwandeln. Diese Stoffe müssen daher über die Nahrung zugeführt werden.
Hochwertiges Leber- und Muskelfleisch liefert wichtige Vitamine und Mineralstoffe in bioverfügbarer Form. Besonders Methionin und Cystein sind für Katzen von Bedeutung und müssen in ausreichender Menge im Futter enthalten sein. Ein Mangel an diesen schwefelhaltigen Aminosäuren kann sich negativ auf das gesamte Wohlbefinden und damit auch auf das Verhalten auswirken.
Praktische Fütterungsstrategien für verhaltensauffällige Jungkatzen
Neben der Futterqualität spielt die Fütterungsstrategie eine zentrale Rolle. Junge Katzen haben einen schnellen Stoffwechsel und benötigen mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt. Interessanterweise nehmen domestizierte Katzen unter üblichen Haltungsbedingungen 11 bis 16 Mahlzeiten à 5 bis 7 Gramm pro Tag zu sich – ihr natürliches Fressverhalten ist also stark fragmentiert.
Futterspielzeug ist dabei Gold wert: Es kanalisiert den Jagdinstinkt auf gesunde Weise und sorgt dafür, dass die Katze sich ihr Futter „erarbeitet“. Dies fördert nicht nur die geistige Auslastung, sondern verhindert auch hastiges Schlingen und die damit verbundenen Verdauungsprobleme. Katzen, die regelmäßig Futterspielzeug nutzen, sind oft deutlich ausgeglichener und zeigen weniger destruktives Verhalten.
Vermeiden Sie es, Futter ständig zur freien Verfügung stehen zu lassen. Dies mag bequem erscheinen, verhindert aber, dass die Katze einen natürlichen Rhythmus aus Jagd, Fressen, Putzen und Schlafen entwickelt – genau jenen Rhythmus, der für emotionale Stabilität sorgt.
Die Rolle von Wasser bei Verhaltensproblemen
Ein oft übersehener Faktor ist die Flüssigkeitszufuhr. Katzen haben von Natur aus einen geringen Dursttrieb, da sie evolutionär darauf ausgelegt sind, ihren Flüssigkeitsbedarf hauptsächlich über Beutetiere zu decken. Chronische Dehydration führt jedoch zu Konzentrationsschwäche, Gereiztheit und kann sogar Schmerzen durch Harnwegsprobleme verursachen – alles Faktoren, die Verhalten negativ beeinflussen.
Nassfutter hat hier deutliche Vorteile gegenüber Trockenfutter, da es einen wesentlich höheren Feuchtigkeitsgehalt aufweist. Rohfutter-Rationen, die im Wesentlichen aus rohem Fleisch, Knochen und Innereien bestehen, entsprechen in ihrer Zusammensetzung am ehesten der natürlichen Nahrung. Zusätzliche Trinkbrunnen können die Wasseraufnahme fördern, da viele Katzen fließendes Wasser bevorzugen.
Wann professionelle Hilfe notwendig wird
So wichtig die Ernährung ist – sie ist kein Allheilmittel. Wenn eine junge Katze trotz optimaler Fütterung extrem aggressiv ist, panisch reagiert oder selbstverletzendes Verhalten zeigt, sollten Sie unbedingt einen Tierarzt konsultieren. Manchmal verbergen sich hinter Verhaltensauffälligkeiten auch Schmerzen, neurologische Probleme oder Entwicklungsstörungen, die medizinisch abgeklärt werden müssen.
Auch ein zertifizierter Katzenverhaltensberater kann wertvolle Unterstützung bieten. Die Kombination aus optimierter Ernährung, angepasster Umgebung und verhaltenstherapeutischen Maßnahmen zeigt meist die besten Ergebnisse. Verhaltensauffälligkeiten bei Jungtieren sollten nie ignoriert werden, denn sie verfestigen sich mit der Zeit und werden schwerer zu korrigieren.
Ihr kleiner Wirbelwind verdient die bestmögliche Unterstützung in dieser prägenden Lebensphase. Mit der richtigen Ernährung legen Sie das Fundament für eine entspannte, selbstsichere Katze, die ihre natürlichen Instinkte auf gesunde Weise ausleben kann – zum Wohl aller Beteiligten, auch Ihrer Möbel.
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