Während der Januar in weiten Teilen Europas grau und frostig daherkommt, erstrahlt Valletta in mildem Sonnenlicht und bietet eine willkommene Flucht vor der Winterkälte. Die maltesische Hauptstadt zeigt sich gerade im ersten Monat des Jahres von ihrer authentischsten Seite – fernab der sommerlichen Touristenmassen, mit angenehmen Temperaturen um die 15 Grad und einer Atmosphäre, die zum gemächlichen Entdecken einlädt. Für Reisende über 50, die Kultur, Geschichte und mediterrane Lebensart schätzen, erweist sich dieser kompakte UNESCO-Welterbe-Schatz als ideales Winterziel, das zudem das Reisebudget schont.
Eine Stadt wie ein lebendiges Museum
Valletta ist mehr als eine Hauptstadt – sie ist ein architektonisches Meisterwerk, das auf einer Halbinsel thront und von zwei natürlichen Häfen umgeben wird. Die von den Johanniterrittern im 16. Jahrhundert erbautete Stadt beeindruckt mit ihrer einheitlichen Barockarchitektur, den honigfarbenen Kalksteinfassaden und den steilen Straßen, die sich zum azurblauen Meer hinabsenken. Im Januar gehören die prächtigen Gassen fast ausschließlich den Einheimischen und jenen Besuchern, die bewusst die Ruhe dieser Jahreszeit suchen.
Der große Vorteil: Die überschaubare Größe der Stadt macht sie perfekt zu Fuß erkundbar, ohne dass man sich überfordert fühlt. Von einem Ende zum anderen sind es kaum mehr als einen Kilometer – ideal für ein entspanntes Reisetempo ohne Hektik.
Kulturelle Schätze ohne Gedränge
Die St. John’s Co-Cathedral zählt zu den beeindruckendsten barocken Kirchenbauten Europas. Der Innenraum mit seinen vergoldeten Wänden, kunstvollen Marmorböden und Caravaggios Meisterwerken wirkt geradezu überwältigend. Der Eintritt liegt bei etwa 15 Euro, doch dieser Besuch rechtfertigt jeden Cent. Im Januar kann man die Kunstwerke in aller Ruhe betrachten, ohne sich durch Menschenmengen drängeln zu müssen.
Ebenso lohnenswert ist der Großmeisterpalast, dessen Prunkräume und Waffenkammer Einblicke in die glanzvolle Vergangenheit des Malteserordens gewähren. Für rund 10 Euro erhält man Zugang zu einer Welt voller Geschichte, die sich über Jahrhunderte erstreckt.
Das Nationalmuseum für Archäologie beherbergt eine beeindruckende Sammlung prähistorischer Funde aus den megalithischen Tempeln Maltas – einige der ältesten freistehenden Strukturen der Menschheit. Der Eintritt kostet etwa 5 Euro und bietet faszinierende Einblicke in eine Zivilisation, die älter als die Pyramiden ist.
Versteckte Ecken und Aussichtspunkte
Abseits der Hauptattraktionen offenbart Valletta seinen wahren Charme in den ruhigeren Vierteln. Die Upper Barrakka Gardens bieten einen spektakulären Panoramablick über den Grand Harbour – besonders stimmungsvoll am späten Nachmittag, wenn die Sonne die Festungsmauern in warmes Licht taucht. Der Zugang ist kostenlos, und die Gärten laden zum Verweilen ein.
Ein Spaziergang entlang der Bastionsmauern eröffnet immer wieder neue Perspektiven auf das Meer und die umliegenden Städte. Die Lower Barrakka Gardens, weniger frequentiert als ihre prominente Schwester, besitzen einen eigenen melancholischen Charme mit ihrem neoklassizistischen Tempel und dem Blick auf die Hafeneinfahrt.
In den Seitenstraßen abseits der Republic Street – Vallettas Hauptachse – entdeckt man kleine Plätze, traditionelle Bäckereien und Handwerksbetriebe, die seit Generationen existieren. Hier pulsiert das authentische Leben der Stadt.
Kostengünstig unterwegs in Valletta
Die beste Nachricht für budgetbewusste Reisende: Valletta selbst lässt sich komplett zu Fuß erkunden. Wer jedoch die umliegenden Orte wie die drei historischen Städte Vittoriosa, Senglea und Cospicua besuchen möchte, kann das ausgezeichnete Bussystem nutzen. Eine Zwei-Stunden-Fahrkarte kostet etwa 2 Euro, ein Wochenticket liegt bei rund 21 Euro – damit kommt man auf der gesamten Insel herum.
Besonders reizvoll ist die Hafenfähre, die für weniger als 2 Euro zwischen Valletta und Sliema verkehrt. Diese kurze Überfahrt bietet nicht nur eine praktische Transportmöglichkeit, sondern auch eine herrliche Perspektive auf die Skyline der Hauptstadt vom Wasser aus.
Für Tagesausflüge zu den prähistorischen Tempeln oder der ehemaligen Hauptstadt Mdina erweist sich das Busnetz als zuverlässig und preiswert – eine eigene Mietwagen ist in der kompakten Inselwelt Maltas kaum nötig.

Übernachten ohne das Budget zu sprengen
Im Januar sinken die Unterkunftspreise deutlich. Komfortable Gästehäuser in den ruhigeren Vierteln Vallettas oder in den angrenzenden Städten Floriana und Sliema sind ab etwa 50 Euro pro Nacht zu finden. Besonders charmant sind die traditionellen Townhouses, die zu kleinen Pensionen umgebaut wurden und einen authentischen Einblick in die maltesische Wohnkultur bieten.
Wer noch mehr sparen möchte, findet in Sliema oder St. Julian’s eine größere Auswahl an erschwinglichen Unterkünften. Von dort erreicht man Valletta in wenigen Minuten mit der Fähre oder dem Bus – und genießt gleichzeitig die Annehmlichkeiten lebendiger Wohnviertel mit Supermärkten und preiswerten Lokalen.
Kulinarische Entdeckungen für kleines Geld
Die maltesische Küche vereint mediterrane und nordafrikanische Einflüsse zu einer eigenständigen Geschmackswelt. In den traditionellen Bäckereien bekommt man Pastizzi – mit Ricotta oder Erbsenpüree gefüllte Teigtaschen – für etwa 50 Cent das Stück. Diese lokale Spezialität stillt nicht nur den kleinen Hunger, sondern vermittelt auch ein Stück maltesische Alltagskultur.
Für ein komplettes Mittagessen empfehlen sich die einfachen Lokale in den Seitenstraßen, wo Einheimische essen. Ein Tagesgericht mit Kaninchen, Fisch oder hausgemachter Pasta kostet zwischen 10 und 15 Euro. Die maltesische Variante des Eintopfs, Minestra, wärmt an kühleren Januartagen und kostet selten mehr als 8 Euro.
Auf dem Markt nahe dem Stadteingang findet man frisches Obst, Gemüse und lokale Spezialitäten zu fairen Preisen. Wer eine Unterkunft mit Küchenzeile gebucht hat, kann hier hervorragend für Selbstversorgermahlzeiten einkaufen und dabei erheblich sparen.
Ausflüge in die Umgebung
Von Valletta aus lassen sich Maltas weitere Schätze bequem erreichen. Die mittelalterliche Stadt Mdina, auch als „stille Stadt“ bekannt, thront majestätisch auf einem Hügel im Inselinneren. Die verwinkelten Gassen und das historische Flair versetzen einen in eine andere Zeit. Der Zugang zur Stadt ist kostenlos, nur für einzelne Museen fallen moderate Eintrittspreise an.
Die prähistorischen Tempel von Ħaġar Qim und Mnajdra, spektakulär auf Klippen über dem Meer gelegen, gehören zum Ältesten, was die Menschheit je erbaut hat. Der kombinierte Eintritt kostet etwa 10 Euro und rechtfertigt sich durch die einzigartige historische Bedeutung dieser Stätten.
Auch ein Besuch der Nachbarinsel Gozo lohnt sich. Die Fähre verkehrt regelmäßig und kostet für die Rückfahrt etwa 5 Euro pro Person. Gozo zeigt sich noch beschaulicher als Malta selbst und bietet im Januar eine fast meditative Ruhe.
Praktische Hinweise für den Januarbesuch
Das Wetter im Januar ist mild, aber wechselhaft. Temperaturen zwischen 12 und 17 Grad sind typisch, gelegentlich gibt es Regenschauer. Eine leichte Regenjacke und Schichten zum An- und Ausziehen erweisen sich als praktisch. Die Sonne zeigt sich dennoch häufig, und in geschützten Ecken kann man durchaus draußen sitzen.
Valletta ist aufgrund seiner steilen Straßen und zahlreichen Treppen körperlich etwas fordernd. Bequeme, gut eingelaufene Schuhe mit rutschfesten Sohlen sind unerlässlich. Wer Schwierigkeiten mit vielen Stufen hat, sollte dies bei der Planung berücksichtigen – allerdings gibt es auch einen kostenlosen Aufzug vom Busbahnhof zur Oberstadt.
Die meisten Sehenswürdigkeiten haben im Januar normale Öffnungszeiten, und die reduzierten Besucherzahlen bedeuten, dass man nirgendwo lange anstehen muss. Englisch wird überall gesprochen, was die Verständigung erheblich erleichtert.
Malta verwendet den Euro, was deutschen Reisenden die Budgetplanung vereinfacht. Geldautomaten sind zahlreich vorhanden, und Kartenzahlung wird weitgehend akzeptiert – allerdings schätzen kleinere Geschäfte und Bäckereien Bargeld.
Valletta im Januar verbindet kulturellen Reichtum mit entspanntem Rhythmus und erschwinglichen Preisen. Die Stadt offenbart sich in diesen ruhigeren Wochen von ihrer intimsten Seite und belohnt jene, die Zeit mitbringen und die Schönheit im Detail entdecken möchten. Für reife Reisende, die Qualität über Quantität stellen und authentische Erlebnisse schätzen, erweist sich diese kompakte Barockperle als perfektes Winterziel.
Inhaltsverzeichnis
