Was Spotify heimlich über dich speichert: 246 Partner haben Zugriff auf deine Daten

Musik-Streaming ist aus unserem Alltag kaum noch wegzudenken. Millionen Deutsche nutzen täglich Spotify, um ihre Lieblingssongs zu hören, neue Künstler zu entdecken oder Podcasts zu genießen. Doch während wir uns entspannt zurücklehnen und unsere Playlists durchhören, läuft im Hintergrund ein umfangreiches System zur Datenerfassung auf Hochtouren. Was viele nicht wissen: Der schwedische Streaming-Riese sammelt deutlich mehr Informationen über seine Nutzer, als man auf den ersten Blick vermuten würde.

Welche Daten sammelt Spotify wirklich?

Spotify erfasst ein erstaunlich detailliertes Profil seiner Nutzer. Neben dem offensichtlichen Hörverlauf – also welche Songs, Alben und Künstler ihr bevorzugt – werden auch eure Suchverläufe protokolliert. Suchanfragen und Klicks werden registriert und verraten viel mehr über eure Vorlieben und Gewohnheiten, als ihr vielleicht denkt.

Hinzu kommen Standortdaten, die Spotify Aufschluss darüber geben, wo ihr euch beim Musikhören befindet. Hört ihr morgens auf dem Weg zur Arbeit? Beim Sport im Fitnessstudio? Oder abends gemütlich zu Hause? All diese Informationen werden erfasst und ausgewertet. Auch technische Geräteinformationen landen in Spotifys Datenspeichern: Welches Smartphone nutzt ihr? Welche Betriebssystemversion läuft darauf? Wie ist eure IP-Adresse?

Das riesige Netzwerk der Datenpartner

Der wirklich brisante Punkt kommt allerdings erst jetzt: Spotify teilt Daten mit 246 Partnern. Diese Zahl sollte jeden aufhorchen lassen. Wir sprechen hier nicht von einer Handvoll Kooperationspartner, sondern von einem riesigen Netzwerk aus Werbeunternehmen, Datenanalysten und Marketing-Plattformen.

Diese Partner nutzen eure Daten primär für Werbezwecke. Auf Basis eurer Musikvorlieben, eures Standorts und eurer Hörgewohnheiten werden Nutzerprofile erstellt, die dann für zielgerichtete Werbung eingesetzt werden. Hört ihr viel Metal? Dann bekommt ihr möglicherweise Anzeigen für Konzerttickets oder Band-Merchandise. Lauscht ihr regelmäßig Fitness-Podcasts? Sportartikel-Werbung lässt dann nicht lange auf sich warten.

Warum sammelt Spotify so viele Daten?

Fairerweise muss man sagen: Nicht alle Datensammlungen dienen ausschließlich Werbezwecken. Spotify nutzt viele dieser Informationen, um den Dienst zu verbessern und personalisierte Empfehlungen zu erstellen. Die berühmten Discover Weekly-Playlists oder die täglichen Musikmixe basieren auf der Analyse eures Hörverhaltens. Je mehr Daten Spotify über eure Präferenzen hat, desto präziser können die Algorithmen arbeiten.

Dennoch bleibt der kommerzielle Aspekt nicht zu vernachlässigen. Personalisierte Werbung ist ein lukratives Geschäftsmodell. Selbst als Premium-Nutzer, der keine Werbeunterbrechungen hört, werden eure Daten weiterhin erfasst und können für Marketingzwecke genutzt werden. Eine vollständige Kontrolle über die Datensammlung ist praktisch nicht möglich, da bestimmte Informationen für den Betrieb des Dienstes notwendig sind.

Eingeschränkte Kontrolle über eure Daten

Die Realität sieht leider so aus: Ihr habt nur begrenzte Möglichkeiten, die Datenfreigabe einzuschränken. Spotify bietet in seinen Einstellungen zwar Optionen zur Einschränkung der Datensammlung, doch fundamentale Nutzungsdaten können nicht deaktiviert werden. Das Unternehmen ist hier in die Kritik geraten: Das schwedische Datenschutzamt verhängte Strafe von etwa fünf Millionen Euro gegen Spotify – unter anderem wegen mangelnder Transparenz bei Auskunftsanfragen.

Datenschützer bemängelten zudem, dass die Weitergabe von Daten an Werbenetzwerke auf der Spotify-Website standardmäßig vorangekreuzt war und sich nicht deaktivieren ließ. Die Cookie-Banner-Einstellungen boten keine wirksame Möglichkeit zur Datenverweigerung. Diese Praxis wirft ein kritisches Licht auf die tatsächliche Wahlfreiheit der Nutzer.

So passt ihr die Datenschutzeinstellungen an

Trotz dieser Einschränkungen solltet ihr die vorhandenen Datenschutzeinstellungen kennen und nutzen. Öffnet zunächst die Spotify-App auf eurem Smartphone oder den Desktop-Client. Tippt oben rechts auf euer Profilbild und navigiert zu den Einstellungen. Scrollt nach unten, bis ihr den Bereich Datenschutz und Soziales findet. Hier gibt es verschiedene Optionen, die die Weitergabe bestimmter Daten einschränken können.

Spotify stellt auf seiner Unterseite zur Verwaltung der Datenschutzeinstellungen verschiedene Schieberegler bereit, mit denen ihr kontrollieren könnt, welche Daten weitergegeben werden. Beachtet dabei: Diese Einstellungen beziehen sich auf bestimmte Aspekte der Datenweitergabe. Spotify wird weiterhin grundlegende Daten sammeln, um den Service bereitzustellen und zu optimieren.

Was ihr noch tun könnt

Im Datenschutzbereich findet ihr mehrere Optionen, die einen Blick wert sind. Eine davon bestimmt beispielsweise, ob Künstler anonymisierte Statistiken über eure Hörgewohnheiten einsehen können. Wenn ihr eure Daten nicht mit den Musikschaffenden teilen möchtet, könnt ihr auch diese Option deaktivieren.

Selbst wenn ihr Datenschutzeinstellungen anpasst, werdet ihr als Free-Nutzer weiterhin Werbung hören – diese wird dann aber weniger personalisiert sein. Für manche mag das sogar angenehmer sein, da die Anzeigen dann weniger gezielt auf das eigene Profil zugeschnitten wirken. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die App-Berechtigungen in euren Smartphone-Einstellungen zu überprüfen. Braucht Spotify wirklich ständigen Zugriff auf euren Standort? Oft lassen sich Berechtigungen einschränken, ohne dass die Grundfunktionen leiden.

Der Preis der kostenlosen Musik

Die umfangreiche Datensammlung wirft grundsätzliche Fragen über kostenlose oder günstige digitale Dienste auf. Das alte Sprichwort „Wenn du nicht für das Produkt bezahlst, bist du das Produkt“ trifft auch auf Streaming-Plattformen zu. Selbst Premium-Abonnenten sollten sich bewusst sein, dass ihr Nutzerverhalten einen wirtschaftlichen Wert darstellt.

Spotify steht mit dieser Praxis keineswegs allein da. Auch andere Streaming-Dienste, Social-Media-Plattformen und kostenlose Apps finanzieren sich über Datensammlung und personalisierte Werbung. Der Unterschied liegt oft im Umfang der gesammelten Daten und in der Transparenz, mit der Unternehmen darüber informieren. Wer wirklich datenschutzbewusst Musik hören möchte, sollte sich mit Alternativen befassen.

Gibt es datenschutzfreundlichere Alternativen?

Dienste wie Apple Music oder Tidal werben damit, Nutzerdaten nicht im gleichen Umfang zu kommerzialisieren. Auch dezentrale Plattformen oder das klassische Kaufen von Musik in Form von Downloads bietet mehr Privatsphäre – allerdings meist zu höheren Kosten oder mit weniger Komfort. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, Spotify über einen VPN-Dienst zu nutzen und regelmäßig die App-Berechtigungen zu überprüfen. Die Verschlüsselung des Standorts und die Einschränkung von Zugriffsrechten können zumindest einen Teil der Datensammlung erschweren.

Was das für euch bedeutet

Die Erkenntnis über Spotifys Datensammelpraxis sollte nicht in Panik münden, aber zu einem bewussteren Umgang führen. Nehmt euch einige Minuten Zeit und durchforstet die Datenschutzeinstellungen. Prüft, welche App-Berechtigungen wirklich notwendig sind, und beschränkt den Zugriff auf Standortdaten, wenn möglich.

Gleichzeitig solltet ihr realistisch bleiben: Eine vollständige Kontrolle über eure Daten ist bei der Nutzung von Spotify nicht möglich. Das Unternehmen erfasst kontinuierlich Informationen, die für den Betrieb des Dienstes erforderlich sind. Die bisherigen Rechtsverstöße und Kritiken von Datenschützern zeigen, dass die Wahlfreiheit der Nutzer in der Praxis eingeschränkter ist, als es die Einstellungen vermuten lassen.

Fragt euch: Wie viel ist euch Datenschutz wert? Seid ihr bereit, auf personalisierte Empfehlungen zu verzichten? Würdet ihr mehr für einen datenschutzfreundlicheren Dienst bezahlen? Diese Abwägung muss jeder für sich selbst treffen. Unwissenheit schützt nicht vor Datensammlung. Je besser ihr informiert seid, desto bewusster könnt ihr eure digitalen Dienste nutzen und die vorhandenen Einstellungen zu eurem Vorteil nutzen – auch wenn diese begrenzt sind.

Wie viele Datenpartner hat Spotify wirklich?
Keine Ahnung so viele
Weniger als 50
Etwa 100
Über 200
Genau 246

Schreibe einen Kommentar