Dein iPad ist mehr als nur ein Tablet – es ist dein digitaler Begleiter, der Zugriff auf E-Mails, Fotos, Bankdaten und persönliche Informationen hat. Genau deshalb solltest du die eingebauten Sicherheitsfunktionen von Apple nicht ungenutzt lassen. Viele Nutzer ahnen gar nicht, wie viele Apps im Hintergrund auf sensible Daten zugreifen oder wie leicht sich mit ein paar Handgriffen die Privatsphäre deutlich verbessern lässt.
Tracking-Schutz erweitert in Safari aktivieren
Safari ist nicht nur Apples Standard-Browser, sondern auch einer der datenschutzfreundlichsten Browser auf dem Markt. Das liegt vor allem am erweiterten Tracking-Schutz, den du unbedingt aktivieren solltest. Diese Funktion verhindert, dass Werbenetzwerke und Datensammler ein detailliertes Profil über dein Surfverhalten erstellen.
Öffne die Einstellungen-App auf deinem iPad und scrolle zu Safari. Dort findest du die Option „Tracking verhindern“ oder „Cross-Site-Tracking verhindern“. Wenn du diesen Schalter aktivierst, blockiert Safari Cookies und Website-Daten von Drittanbietern, die dich über verschiedene Websites hinweg verfolgen wollen. Die sogenannte Intelligent Tracking Prevention blockiert generell alle Third-Party-Cookies. Nur Cookies, die von Webseiten stammen, die du selbst aufgerufen hast, werden gespeichert. Zusätzlich werden lokal gespeicherte Websitedaten voneinander getrennt aufbewahrt, sodass sich keine Verbindung zwischen diesen Informationen herstellen lässt.
Ein zusätzlicher Tipp: Aktiviere auch die Funktion „Datenschutzbericht“, die dir anzeigt, welche Tracker Safari in den letzten 30 Tagen geblockt hat. Du wirst überrascht sein, wie viele Versuche es täglich gibt, deine Online-Aktivitäten zu überwachen. Diese Transparenz ist Gold wert und zeigt dir schwarz auf weiß, wie wertvoll diese Schutzmaßnahme ist.
Standortdienste gezielt einschränken
Dein iPad weiß genau, wo du dich befindest – aber muss wirklich jede App Zugriff auf diese Information haben? Die meisten Anwendungen fordern Standortzugriff an, obwohl sie ihn für ihre Kernfunktion überhaupt nicht benötigen. Eine Taschenlampen-App braucht definitiv nicht zu wissen, wo du gerade stehst.
Navigiere in den Einstellungen zu „Datenschutz & Sicherheit“ und wähle „Ortungsdienste“. Hier siehst du eine komplette Liste aller Apps, die Zugriff auf deinen Standort angefragt haben. Bei jeder App kannst du zwischen vier Optionen wählen: Nie, Nächstes Mal fragen, Bei Verwendung der App oder Immer.
Die Option „Immer“ solltest du nur in absoluten Ausnahmefällen vergeben – etwa bei Navigations-Apps oder Fitness-Trackern, die wirklich kontinuierlichen Zugriff brauchen. Für die meisten Apps reicht „Bei Verwendung der App“ völlig aus. Social-Media-Apps, Spiele oder Shopping-Anwendungen haben oft überhaupt keinen legitimen Grund für Standortzugriff, hier kannst du getrost „Nie“ wählen.
Ein verstecktes Feature, das viele übersehen: Scrolle in den Ortungsdiensten ganz nach unten zu „Systemdienste“. Hier kannst du granular einstellen, welche iOS-Funktionen deinen Standort verwenden dürfen. Dienste wie „iPhone-Analyse“ oder „Wichtige Orte“ kannst du meist bedenkenlos deaktivieren, ohne dass du Einschränkungen im Alltag bemerkst.
Der App-Datenschutzbericht enthüllt heimliche Schnüffler
Eine der mächtigsten und gleichzeitig am wenigsten genutzten Funktionen von iPadOS ist der App-Datenschutzbericht. Dieses Tool gibt dir einen schockierend detaillierten Einblick, welche Apps wann und wie oft auf deine Kamera, dein Mikrofon, Fotos oder Standortdaten zugreifen.
Um diese Funktion zu nutzen, gehst du in die Einstellungen unter „Datenschutz & Sicherheit“ und kannst dort den App-Datenschutzbericht aktivieren. Bereits nach wenigen Minuten füllt sich der Bericht und du kannst ihn einsehen. Was du siehst, wird dich vermutlich überraschen: Apps, die mehrmals täglich auf dein Mikrofon zugreifen, obwohl du sie gar nicht aktiv nutzt, oder Anwendungen, die ständig deinen Standort abfragen.
Der Bericht zeigt auch, mit welchen Domains die Apps kommunizieren. Du erfährst also nicht nur, dass eine App Daten sendet, sondern auch wohin. Ein Tippen auf die jeweilige App gibt detailliertere Informationen, etwa auf welche Domain zugegriffen wurde und wann ein konkreter Zugriff stattgefunden hat. Oft sind das Werbenetzwerke, Analyse-Dienste oder Drittanbieter-Server, von denen du noch nie gehört hast. Diese Transparenz versetzt dich in die Lage, informierte Entscheidungen zu treffen: Brauchst du diese App wirklich, oder gibt es datenschutzfreundlichere Alternativen?
Besonders interessant wird es bei den sogenannten „Kontaktierten Domains“. Manche kostenlose Apps kontaktieren dutzende verschiedene Werbenetzwerke – ein klares Zeichen dafür, dass du mit deinen Daten bezahlst. Premium-Apps oder Open-Source-Alternativen kommunizieren meist deutlich weniger nach außen.

Die Grenzen des Datenschutzes: Was Apple nicht schützen kann
So wirksam Apples Datenschutzfunktionen auch sind – sie schützen dich vor externem Tracking und Profiling, können aber nicht verhindern, dass App-Entwickler selbst fahrlässig mit deinen Daten umgehen. Sicherheitsanalysen zeigen, dass knapp 200 Apps, darunter auch welche aus den Top 10 des App Stores, ihre Daten in unzureichend gesicherten Datenspeichern ablegen. Bei diesen Apps konnten Sicherheitsexperten anwenderbezogene Daten wie Namen, E-Mail-Adressen und Handynummern aus Cloud-Speichern extrahieren.
Das bedeutet: Selbst mit allen aktivierten Datenschutzeinstellungen musst du bei der Auswahl deiner Apps wachsam bleiben. Achte auf die Reputation der Entwickler, lies Bewertungen kritisch und überlege dir zweimal, ob du einer unbekannten App Zugriff auf sensible Informationen gewähren möchtest. Apps von etablierten Unternehmen oder renommierten Open-Source-Projekten sind tendenziell vertrauenswürdiger als kostenlose Apps von unbekannten Entwicklern.
Zwei-Faktor-Authentifizierung: Dein digitaler Bodyguard
Die Zwei-Faktor-Authentifizierung für deine Apple-ID ist keine optionale Spielerei, sondern eine absolute Notwendigkeit. Sie ist die wirksamste Methode, um zu verhindern, dass Fremde Zugriff auf dein Apple-Konto bekommen – selbst wenn sie dein Passwort erraten oder gestohlen haben.
Bei aktivierter Zwei-Faktor-Authentifizierung benötigst du neben deinem Passwort einen sechsstelligen Code, der an deine vertrauenswürdigen Geräte gesendet wird. Selbst wenn ein Angreifer dein Passwort kennt, kann er ohne physischen Zugriff auf dein iPad oder iPhone nichts ausrichten. Das schützt nicht nur deine iCloud-Daten, sondern auch Käufe im App Store und sensible Informationen wie Zahlungsmethoden.
Die Einrichtung ist denkbar einfach: Öffne die Einstellungen, tippe oben auf deinen Namen und wähle „Passwort & Sicherheit“. Hier findest du die Option, um die Zwei-Faktor-Authentifizierung zu aktivieren. Der Einrichtungsassistent führt dich durch alle Schritte und du kannst Telefonnummern hinzufügen, an die Bestätigungscodes gesendet werden sollen.
Ein oft übersehener Vorteil: Mit aktivierter Zwei-Faktor-Authentifizierung erhältst du Benachrichtigungen, wenn sich jemand mit deiner Apple-ID anmelden will. Du siehst sogar auf einer Karte, wo dieser Anmeldeversuch stattfindet. Sollte das nicht dein aktueller Standort sein, kannst du den Zugriff sofort verweigern und weißt, dass jemand versucht hat, in dein Konto einzudringen.
Wiederherstellungsschlüssel und vertrauenswürdige Kontakte
Apple bietet zwei zusätzliche Sicherheitsnetze für den Fall, dass du den Zugriff auf deine vertrauenswürdigen Geräte verlierst. Der Wiederherstellungsschlüssel ist ein 28-stelliger Code, den du sicher aufbewahren solltest – am besten offline an einem sicheren Ort. Mit ihm kannst du wieder Zugriff auf dein Konto bekommen, selbst wenn alle Geräte verloren gehen.
Alternativ kannst du einen Accountwiederherstellungs-Kontakt einrichten – eine vertrauenswürdige Person, die dir helfen kann, wieder Zugriff zu erlangen. Das ist besonders praktisch für weniger technikaffine Nutzer oder ältere Menschen, die eventuell Schwierigkeiten mit komplizierten Codes haben.
Regelmäßige Sicherheits-Checks etablieren
Sicherheit ist kein einmaliges Projekt, sondern ein fortlaufender Prozess. Nimm dir einmal im Quartal zehn Minuten Zeit, um den App-Datenschutzbericht zu überprüfen, deine Standortfreigaben zu kontrollieren und in den Safari-Einstellungen zu schauen, welche Websites Berechtigungen haben.
Überprüfe auch regelmäßig unter „Passwort & Sicherheit“, welche Geräte mit deiner Apple-ID verbunden sind. Hier findest du alle iPads, iPhones, Macs und Apple Watches, die Zugriff auf dein Konto haben. Erkennst du ein Gerät nicht oder hast du es verkauft, entferne es sofort aus der Liste.
Diese Maßnahmen – erweiterter Tracking-Schutz in Safari, restriktive Standortfreigaben, aktive Nutzung des App-Datenschutzberichts und Zwei-Faktor-Authentifizierung – bilden ein solides Fundament für deine digitale Privatsphäre. Sie kosten dich vielleicht 15 Minuten Einrichtungszeit, schützen dich aber vor den häufigsten Bedrohungen und geben dir die Kontrolle über deine Daten zurück. Dein iPad wird dadurch nicht langsamer oder schwieriger zu bedienen, im Gegenteil: Du gewinnst Sicherheit, ohne auf Komfort verzichten zu müssen. Bleib dennoch wachsam bei der Auswahl deiner Apps, denn die beste Systemsicherheit nützt wenig, wenn die Apps selbst unsicher programmiert sind.
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